Wie Ruinart und Tadashi Kawamata den Dialog zwischen Champagner, Natur und zeitgenössischer Kunst neu inszenieren.
Tradition trifft Zeitgeist: Das Champagnerhaus Ruinart setzt seine enge Verbindung zur zeitgenössischen Kunst fort – und holt sich für die aktuelle Ausgabe seiner Initiative „Conversations with Nature“ den japanischen Künstler Tadashi Kawamata an die Seite. Das Format versteht sich nicht als dekoratives Beiwerk, sondern als ernst gemeinter Dialog zwischen Handwerk, Herkunft und dem großen Thema unserer Zeit: der Beziehung des Menschen zur Natur.
Kawamata, bekannt für seine poetisch-rohen Holzarchitekturen, entwickelt für Ruinart drei eigenständige Arbeiten. Herzstück ist eine rund sechs Meter hohe Konstruktion aus Holz, deren Silhouette an eine auf den Kopf gestellte Champagnerflasche erinnert. Die Arbeit spielt subtil auf die berühmten Kreidekeller des Hauses an – jene unterirdischen Kathedralen, in denen die Cuvées über Jahre hinweg reifen. Gleichzeitig funktioniert das Objekt als begehbares Observatorium: ein Ort der Perspektivverschiebung, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Ergänzt wird die Installation durch etwa zwanzig großformatige Holzkisten für Drei-Liter-Flaschen. Jede einzelne wurde an einer Ecke geöffnet, zersägt und aus Fragmenten neu zusammengesetzt. Das Ergebnis wirkt zugleich fragil und kraftvoll – eine ästhetische Erinnerung daran, dass Wertschätzung nicht im Perfekten, sondern im Prozess liegt.
Premiere feiert die Zusammenarbeit im Pariser Palais de Tokyo. Dort inszeniert Kawamata unter anderem eine wirbelartige Deckenkonstruktion, inspiriert von Wetterphänomenen und den feinen, beinahe zufälligen Strukturen, die er in Weinbergen beobachtet hat. Natur wird hier nicht romantisiert, sondern als dynamische, formende Kraft verstanden.

Der 1953 geborene Künstler vertrat Japan 1982 auf der Biennale von Venedig. Holz, gebrauchte Materialien und temporäre Strukturen prägen sein Werk – Materialien, die altern, sich verändern und schließlich vergehen dürfen. Dauer ist für ihn kein Versprechen, sondern eine Illusion. Wandel hingegen eine Konstante.
Ruinart unterstreicht mit Projekten wie diesem seinen Anspruch, Champagner nicht nur als Luxusgut, sondern als kulturelles Statement zu begreifen. Neben regelmäßigen Kunstkooperationen engagiert sich das Haus mit einem Förderpreis für junge Fotografen und Fotografinnen und präsentiert seine Sammlung auf internationalen Messen. Genuss wird hier nicht isoliert gedacht, sondern eingebettet in einen größeren kulturellen Kontext – stilbewusst, reflektiert und mit einem klaren Blick für das, was bleibt, auch wenn sich alles verändert.