Warum Tenuta Monteti die spannendste Adresse der südlichen Maremma ist
Es gibt Weingüter, die man kennt, weil sie überall stehen – im Supermarktregal, auf jeder Weinkarte, in jedem zweiten Instagram-Feed. Und es gibt Weingüter wie Tenuta Monteti: klein, konsequent, fast schon eigensinnig in ihrer Beschränkung. Drei Weine. Nur drei. Auf 30 Hektar Rebfläche, mitten in einem 142 Hektar großen Fleckchen Erde, das noch immer mehr Wildschweine als Weintouristen sieht. Wer einmal dort war – oder wer einfach nur ein Glas Monteti oder Caburnio im Glas hatte – versteht schnell, warum genau diese Beschränkung die größte Stärke des Guts ist.

Eine Liebesgeschichte, die 1998 beginnt
Die Geschichte von Tenuta Monteti liest sich fast wie ein Drehbuch – was insofern passend ist, als eine der Hauptfiguren tatsächlich aus der Filmbranche kommt. 1998 verliebten sich der Ingenieur Paolo Baratta und seine Frau Gemma Bracco in ein kleines, damals völlig unbekanntes Tal in der südlichen Maremma, unweit des mittelalterlichen Städtchens Capalbio. Die Region war zu dieser Zeit noch nicht für hochwertige Weine bekannt – ihr Mut wurde jedoch belohnt, und heute ist Monteti ein fester Bezugspunkt in der toskanischen Weinlandschaft. Begleitet wurden sie von einem der bekanntesten Önologen Italiens, Carlo Ferrini, der bei der langen Suche nach dem perfekten Standort beratend zur Seite stand.
Besonders schön: Als das Gelände für die Weinberge vorbereitet wurde, stießen die Barattas auf zahllose gewaltige Findlinge. Statt sie zu sprengen, gruben sie die Steine sorgfältig aus und stellten sie rund um die Weinberge auf – dort stehen sie bis heute wie Wächter, die „Giganti di Pietra“, die inzwischen auch das Markenzeichen auf den Etiketten der Flaschen sind. Ein schönes Symbol für die Grundhaltung des Guts: nichts zerstören, was gewachsen ist – sondern integrieren, respektieren, sichtbar machen.
Seit 2010 führt die Tochter des Gründerpaares, Eva Baratta, das Weingut – gemeinsam mit ihrem Mann Javier Pedrazzini. Auch ihre Geschichte hat Drehbuchqualität: Javier wurde in Buenos Aires geboren und war 20 Jahre lang argentinischer Diplomat. Während seiner Zeit an der argentinischen Botschaft in Rom lernte er Eva Baratta kennen, die in der Filmbranche arbeitete – die beiden wohnten im selben Gebäude. Es folgten Stationen in Argentinien und London, bis das Paar 2010 eine radikale Entscheidung traf: Sie gaben ihre diplomatische beziehungsweise künstlerische Karriere auf, um sich ganz der Tenuta Monteti zu widmen. Eine Entscheidung, die sich ausgezahlt hat – seither punkten die Weine bei praktisch allen relevanten Kritikern, von Gambero Rosso über Falstaff bis Robert Parker.

Die Lage der Tenuta Monteti: ein Vulkan als Klimaanlage
Wer verstehen will, warum die Weine von Tenuta Monteti so schmecken, wie sie schmecken, muss zunächst über Geografie sprechen. Das Gut liegt im Süden der toskanischen Maremma, nahe dem mittelalterlichen Dorf Capalbio – einer Region, die noch immer sehr wild ist: 198.000 Hektar, davon 44 Prozent Wald- und Buschland, aber nur 2 Prozent Weinberge. Wer nachts hinausschaut, blickt in einen der dunkelsten und sternenreichsten Himmel der italienischen Halbinsel – kein Wunder, dass sich in der Region auch die höchste Dichte an Sternwarten Italiens findet.
Das eigentliche Herzstück ist der Monteti-Hügel, ein erloschener Vulkan aus prähistorischer Zeit, der dem Gut seinen Namen gibt. Er schirmt das Tal von den starken Mittelmeerwinden ab und verwandelt sie in eine sanfte, konstante Brise, die das ganze Jahr über zwischen Meer und Tal hin- und herwandert – zum Vorteil der Reben. Die rund 30 Hektar Rebflächen liegen 15 Kilometer vom Meer entfernt und profitieren von einem exzellenten Mikroklima, mit Böden, die reich an Stein und Lehm sind. Die Weinberge sind auf 28 einzeln bewirtschaftete und separat vinifizierte Parzellen aufgeteilt, auf durchschnittlich 145 Metern über dem Meeresspiegel. Önologe Javier Pedrazzini bringt es auf den Punkt: Auf relativ kleiner Fläche gebe es extrem unterschiedliche Böden – ein und dieselbe Rebsorte präsentiere sich je nach Untergrund völlig verschieden.
„Unsere drei Weine verbindet dieselbe Handschrift: Charakter und Eleganz. Jeder von ihnen spiegelt einen einzigartigen Aspekt unserer Landschaft wider. Monteti verkörpert die unberührten Wälder und die ursprüngliche Kraft unserer Felsen. Caburnio fängt die Strahlkraft der Sonne und die mediterranen Düfte unserer Hänge ein. TM Rosé erinnert an einen leuchtenden Sonnenaufgang an der nahegelegenen Küste – frisch, strahlend und voller Leichtigkeit.“
Eva Barratta
Bewusst hat sich die Familie gegen den toskanischen Klassiker Sangiovese entschieden. Von Beginn an setzte man auf eine große Freiheit bei der Rebsortenwahl, weshalb die Weine als IGT-Weine vermarktet werden: Cabernet Sauvignon, Petit Verdot, Cabernet Franc, Alicante Bouschet und Merlot wurden gepflanzt, zuletzt kam noch Mourvèdre hinzu. Internationale Rebsorten, mediterrane Seele – das ist die Formel, die Tenuta Monteti von den meisten Nachbarn im Chianti oder in Montalcino unterscheidet.
Tenuta Monteti – drei Weine, ein Denken
Was auf den ersten Blick nach Understatement aussieht, ist in Wahrheit Programm. Klein, aber fein ist das Portfolio der Tenuta Monteti – es werden nur drei Weine produziert. Und das Gut selbst besteht bewusst darauf, keine Hierarchie zwischen ihnen aufzumachen: Keiner der drei Weine sei der „Erstwein“ – jeder sei Teil eines einzigen großen Entwurfs, einer Suche und eines Stils, die Tenuta Monteti ausmachen.
Monteti, das Flaggschiff, ist eine Cuvée aus Cabernet Franc und Petit Verdot, die 16 bis 18 Monate in französischen Eichenfässern reift und unfiltriert sowie ungeschönt abgefüllt wird. Caburnio, der zugänglichere, mediterranere Bruder, basiert je nach Jahrgang auf 50 bis 60 Prozent Cabernet Sauvignon, 20 bis 30 Prozent Alicante Bouschet und 10 bis 20 Prozent Merlot, teils in Stahl, teils in mittelgetoasteten französischen Barriques und Tonneaux ausgebaut. Und TM Rosé, der jüngste Neuzugang im Portfolio, entsteht aus früh von Hand gelesenen Trauben – die Ernte erfolgt jeweils vom Morgengrauen bis Mittag –, die sanft und kurz gepresst und anschließend bei niedriger Temperatur in Stahltanks vergoren werden, um Aromen und Frische zu bewahren.
Die drei Weine spiegeln, so formuliert es das Gut selbst, unterschiedliche Facetten desselben Terroirs: Monteti verkörpert mit seinem ungewöhnlich hohen Petit-Verdot-Anteil das waldige, unberührte Hinterland, ergänzt durch die Klassik des Cabernet Sauvignon und die Finesse des Cabernet Franc. Caburnio ist ein dezidiert mediterraner Wein, in dem sich die Aromen der Macchia und der sonnigen, zum Meer abfallenden Hügel spiegeln. Und der TM Rosé feiert die Frische der Frucht und die Salzigkeit der Meeresluft in einer leuchtenden Morgenröte-Farbe.
Weniger Symbol – mehr Philosophie
Bei aller internationalen Anerkennung – Tenuta Monteti wirkt bemerkenswert unaufgeregt in dem, was das Gut antreibt. Es geht weniger um Statussymbole als um eine Art Wein-Philosophie, die eng mit dem Ort verbunden ist. Der nahe Blick aufs Meer, die mediterrane Macchia, die Wälder und sonnigen Felder, der Monteti-Hügel mit seiner Brise, die Hügel Richtung Norden bis zum Monte Amiata – all das erzeuge eine Magie aus Düften, Licht, Nuancen und Intensität, die die eigentliche Inspirationsquelle für die Weine und die Arbeit des Guts sei.
Diese Naturverbundenheit ist kein Lifestyle-Accessoire, sondern hat handfeste Konsequenzen für die Arbeitsweise: manuelle Ernte, schwerkraftbasierte Verarbeitung im Keller, parzellenweise Vinifikation und ein früher, konsequenter Blick auf Nachhaltigkeit. 2017 erhielt das Gut für Caburnio und Monteti das Nachhaltigkeitszertifikat „Sustainable Wine“ im Rahmen des V.I.V.A.-Programms des italienischen Umweltministeriums, 2024 kam die SQNPI-Zertifizierung für integrierte Produktion hinzu. Verantwortlich für die Weinbereitung ist heute übrigens eine Frau: die sardische Önologin Michela Bussu, die die Trauben für Monteti und Caburnio entsprechend den stark parzellierten Rebbergen separat verarbeitet, bevor der langwierige Assemblage-Prozess beginnt.
Wer das Gut besucht, merkt schnell, dass Genuss hier ganzheitlich gedacht wird. Neben den Weinen produziert Tenuta Monteti auch ein eigenes Bio-Olivenöl von rund 5.000 Olivenbäumen, die an den Hängen des Monteti-Hügels wachsen.

Die Verkostung: drei Weine, drei Gesichter der Maremma
Für diesen Artikel haben wir drei Weine aus dem aktuellen Portfolio genauer unter die Lupe genommen – zwei Rotweine aus dem Jahrgang 2020 und den aktuellen Jahrgang des Rosé. Ein Jahrgang, der in der Maremma für kräftige, konzentrierte Rotweine mit robuster Tanninstruktur bekannt ist – und der bei Tenuta Monteti auf sehr unterschiedliche Art in Caburnio und Monteti seinen Ausdruck findet.
Caburnio 2020
| Rebsorten | Cabernet Sauvignon, Alicante Bouschet, Merlot |
| Ausbau | teils Stahl, teils französische Eiche (Barrique/Tonneau), 12–18 Monate |
| Farbe | sattes Rubinrot mit sich aufhellendem violetten Rand |
| Nase | würzig, schwarzer Pfeffer und Wacholder, dahinter Pflaume, Holunderbeere und ein Hauch Unterholz |
| Gaumen | saftiger Antritt, feste, leicht rustikale Tannine, mittlere Fülle, frische Säure, die den Wein bis ins Finale trägt |
| Trinkfenster | jetzt bis ca. 2028 |
| Fazit | Der zugänglichere der beiden Roten – ein ehrlicher, mediterran gewürzter Speisebegleiter für alles vom Grill, ohne Umwege oder Attitüde |
Monteti 2020
| Rebsorten | Petit Verdot (dominant), Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc |
| Ausbau | 16–18 Monate französische Eiche, unfiltriert und ungeschönt |
| Farbe | dunkles, dichtes Purpur mit aufhellendem Rand |
| Nase | zunächst zurückhaltend würzig, öffnet sich zu Kirschkompott, Weichsel und eingelegten Pflaumen – reif und vielschichtig |
| Gaumen | präsentes, kräftiges Tannin, breite, füllige Struktur, im Finale angenehm lang, wenn auch etwas weniger strahlend als in kühleren Jahrgängen |
| Trinkfenster | jetzt bis 2033+ |
| Fazit | Das Flaggschiff zeigt sich 2020 kraftvoll und reif statt filigran – ein Wein für Liebhaber von Fülle und Tiefe, der von etwas Karaffenzeit profitiert |
TM Rosé 2025
| Rebsorten | Merlot (dominant), Cabernet Franc, Mourvèdre |
| Ausbau | Stahltank, niedrige Gärtemperatur, Kältestabilisierung vor der Füllung |
| Farbe | helles, morgenröte-artiges Lachsrosa |
| Nase | florale und leicht tropische Töne, rosa Grapefruit, wilde Erdbeere, ein Hauch mediterrane Kräuter |
| Gaumen | knackig, saftig und sinnlich zugleich, mit salzigem, anhaltendem Finish – erinnert nicht zufällig an die Meeresnähe des Guts |
| Trinkfenster | jung genießen, im Jahr der Ernte bis ins Folgejahr |
| Fazit | Ein echter Passepartout: perfekt zum Aperitif, aber strukturiert genug, um auch zum Essen zu bestehen – kein Rosé zum Nebenbei-Trinken |
Fazit: Klein, aber oho und mit Haltung
Tenuta Monteti beweist, dass man in der Maremma – abseits von Chianti-Trubel und Sangiovese-Tradition – etwas Eigenständiges schaffen kann, ohne sich zu verzetteln. Drei Weine, ein konsequentes Konzept, eine Familiengeschichte mit echtem Drehbuchpotenzial und eine Landschaft, die man förmlich im Glas schmeckt: die salzige Brise, das Unterholz, die Steinriesen. Wer im Urlaub in der südlichen Toskana ist oder einfach eine Flasche für den nächsten besonderen Abend sucht, macht mit Monteti, Caburnio oder TM Rosé selten etwas falsch – und lernt dabei eine Ecke der Toskana kennen, die touristisch noch erfreulich unverbraucht ist.
Wer nach dieser Verkostung Lust auf mehr bekommen hat: Im nächsten VYNO-Artikel nehmen wir euch mit auf die Tenuta selbst – mit Blick auf die Region rund um Capalbio, die Küche der Maremma und die Möglichkeit, direkt vor Ort zu übernachten.