Unangepasst, sichtbar, unverwechselbar – zwischen Tradition und provokanter Inszenierung
In der Weinwelt, die oft von Tradition, Etikette und festgefahrenen Regeln geprägt ist, sorgt eine Persönlichkeit wie India Donisi für Aufmerksamkeit und frischen Wind. Bekannt geworden unter dem Namen „WineSpiceGirl“, hat sie sich in den sozialen Medien in den letzten Jahren nicht nur als Influencerin, sondern als eigenständige Marke etabliert – laut, unkonventionell und bewusst anders.

Herkunft, Haltung und Hedonismus
Geboren in den Niederlanden, mit italienischen und surinamischen Wurzeln, lebt Donisi heute auf Ibiza – ein Ort, der wie geschaffen scheint für ihre energiegeladene, expressive Art. Ihre Verbindung zum Wein wirkt dabei fast schicksalhaft: „Wine runs in my veins“, sagt sie selbst. Bereits mit 19 Jahren absolvierte sie ihren ersten Weinkurs, später arbeitete sie mehrere Jahre als Sommelière.
Doch statt sich in die klassischen Strukturen der Weinbranche einzufügen, entschied sie sich für einen anderen Weg.
WineSpiceGirl: Rebellion mit Strategie
2020 startete Donisi ihren Instagram-Account „WineSpiceGirl“ – zunächst als kreatives Ventil. Schnell wurde daraus jedoch mehr: eine Plattform, auf der Wein nicht belehrt, sondern erlebt wird. „Ich wollte nie die typische Weinpädagogin sein. Ich wollte Wein lebendig, sexy und ein bisschen rebellisch machen“, erklärt sie im Gespräch.
Ihr Ansatz traf einen Nerv. Während viele der üblichen Protagonisten der Branche auf Fachwissen und Tradition setzen, kombiniert Donisi Storytelling, Humor und Persönlichkeit. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten – nicht trotz, sondern gerade wegen ihres Regelbruchs. „Ich bin gewachsen, weil ich mich getraut habe, Dinge anders zu machen.“
Persönlichkeit statt Perfektion
Heute sieht sich Donisi nicht mehr ausschließlich als Content Creatorin. Ihr Fokus hat sich erweitert: Sie arbeitet als Coach und Strategin für Personal Branding. Dabei geht es ihr nicht um Hochglanzästhetik, sondern um Klarheit, Haltung und Sichtbarkeit.
„Menschen folgen dir nicht für Informationen, sondern für dich“, sagt sie. Für sie ist Persönlichkeit der entscheidende Erfolgsfaktor – nicht nur auf Social Media, sondern generell im Markenaufbau. Wer versucht, allen zu gefallen, verliere am Ende seine eigene Stimme.
Die Marke Ich
Mit ihrem aktuellen Projekt geht Donisi noch einen Schritt weiter. Sie unterstützt Unternehmer/-innen und Kreative dabei, sich selbst als Marke zu positionieren – authentisch, sichtbar und ohne Kompromisse.
Ihre Motivation dahinter ist klar: „Ich habe zu viele talentierte Menschen gesehen, die online klein spielen. Menschen mit großartigen Produkten oder Wissen – aber unsichtbar, weil sie Angst haben, sich wirklich zu zeigen.“
Genau hier setzt ihre Arbeit an. Es geht darum, die eigene Identität nicht zu verstecken, sondern bewusst zu inszenieren. Eine Marke zu schaffen, die nicht nur funktioniert, sondern sich auch richtig anfühlt.

Wein neu denken
Trotz ihres neuen Schwerpunkts bleibt Wein ein zentraler Bestandteil ihres Lebens. Ihre Vorlieben was den Wein anbelangt? Situativ, spontan – und geprägt von Neugier. Besonders schätzt sie Schaumweine hergestellt nach traditioneller Methode sowie vulkanisch geprägte Weine, etwa von Santorini oder vom Ätna. „Ich liebe die Mineralität und die Tiefe dieser Weine“, sagt sie.
Doch auch hier bleibt sie ihrer Linie treu: Wein soll nicht kompliziert sein.
Eine Botschaft, die bleibt
Auf unsere Frage, was sie den Leser/-innen von VYNO by Barrels & Bottles mitgeben möchte, antwortet sie spontan und so einfach wie konsequent:
„Don’t overcomplicate wine. Drink what you like, trust your own taste, and allow yourself to explore.“ Und darüber hinaus gilt für sie eine noch größere Wahrheit – nicht nur für die Weinwelt, sondern für jede Form von Selbstverwirklichung: „Sell out by being who you were born to be. Yourself.“
Mit dieser Haltung hat India Donisi nicht nur die Wahrnehmung von Wein auf Social Media verändert, sondern zeigt auch, wie kraftvoll es sein kann, sich selbst kompromisslos zur Marke zu machen. Ein interessanter Ansatz – „Follow worth following…“ – sind wir der Meinung.
